Lern-Glossar
Klare, quellenbasierte Definitionen der wichtigsten Begriffe rund um effektives Lernen, Gedächtnis und KI-gestütztes Lernen.
A
Active Recall (aktives Abrufen) bezeichnet das gezielte Erinnern von Wissen aus dem Gedächtnis – etwa durch Selbsttests oder Karteikarten – statt den Stoff nur erneut zu lesen. Das Abrufen selbst festigt die Gedächtnisspur.
ArbeitsgedächtnisDas Arbeitsgedächtnis ist das kognitive System, das Informationen für Sekunden aktiv hält und gleichzeitig bearbeitet. Seine Kapazität ist stark begrenzt – auf etwa vier Einheiten – und bildet den Flaschenhals jedes Lernprozesses.
C
Chunking bezeichnet das Zusammenfassen einzelner Informationen zu größeren, bedeutungsvollen Einheiten („Chunks"). Da das Arbeitsgedächtnis nur wenige Einheiten gleichzeitig halten kann, erhöht Chunking die effektiv merkbare Menge.
Cognitive LoadCognitive Load (kognitive Belastung) bezeichnet die Menge an Information, die das Arbeitsgedächtnis beim Lernen gleichzeitig verarbeiten muss. Da diese Kapazität eng begrenzt ist, entscheidet die Belastung darüber, wie gut Lernen gelingt.
F
Das Fachgespräch ist der mündliche Prüfungsteil der IHK-Abschlussprüfung, in dem der Prüfungsausschuss auf Basis der Projektdokumentation (z. B. betrieblicher Auftrag oder Report) Fragen zum Vorgehen und den fachlichen Hintergründen stellt. Es dauert je nach Ausbildungsordnung meist 15 bis 20 Minuten und bewertet vor allem, ob eigene Entscheidungen fachlich fundiert begründet werden können.
Feynman-TechnikDie Feynman-Technik ist eine Lernmethode, bei der man einen Begriff so einfach erklärt, als müsste man ihn einem Kind beibringen. Auffallende Verständnislücken verweisen zurück auf den Lernstoff. Benannt ist sie nach dem Physiker Richard Feynman.
I
Implementation Intentions (Wenn-Dann-Pläne) sind konkrete Vorsätze nach dem Muster „Wenn Situation X eintritt, dann tue ich Y". Sie koppeln eine Handlung an einen Auslöser und erhöhen so die Wahrscheinlichkeit, dass Ziele umgesetzt werden.
InterleavingInterleaving (verschachteltes Lernen) bezeichnet das Vermischen verschiedener Aufgabentypen oder Themen innerhalb einer Übungseinheit, statt sie in getrennten Blöcken zu üben. Das erschwert die Übung, verbessert aber häufig das spätere Behalten.
K
Karteikarten sind zweiseitige Lernkarten mit einer Frage oder einem Stichwort auf der Vorder- und der Antwort auf der Rückseite. Sie zwingen zum aktiven Abrufen und eignen sich ideal für verteiltes Wiederholen.
KI-HalluzinationEine KI-Halluzination ist eine von einem KI-Sprachmodell erzeugte Aussage, die faktisch falsch oder frei erfunden ist, aber überzeugend und faktenähnlich klingt. Ursache ist, dass das Modell das wahrscheinlichste nächste Wort vorhersagt und Fakten nicht überprüft.
KolloquiumEin Kolloquium ist eine mündliche Prüfung mit Vortrag und anschließendem Prüfungsgespräch. Im bayerischen Abitur bezeichnet es laut § 50 GSO die rund 30-minütige mündliche Prüfung aus Kurzreferat und Fachgespräch; an Hochschulen ist es die mündliche Verteidigung einer Bachelor- oder Masterarbeit vor der Prüfungskommission, die je nach Hochschule meist 20 bis 40 Minuten dauert. Welche Variante gemeint ist, ergibt sich aus dem Kontext – Schule oder Studium.
L
Das Langzeitgedächtnis speichert Wissen und Erfahrungen dauerhaft – von Sekunden bis über ein ganzes Leben. Seine Kapazität gilt als praktisch unbegrenzt und gliedert sich in mehrere spezialisierte Systeme.
Large Language ModelEin Large Language Model (großes Sprachmodell, LLM) ist ein KI-System, das auf riesigen Textmengen trainiert wurde, um Sprache zu verarbeiten und zu erzeugen. Es sagt Wort für Wort den wahrscheinlichsten nächsten Textbaustein (Token) voraus.
Leitner-SystemDas Leitner-System ist eine Karteikasten-Methode mit mehreren Fächern: Richtig beantwortete Karten wandern in seltener wiederholte Fächer, Fehler zurück ins erste Fach. So verbindet es aktives Abrufen mit verteiltem Wiederholen.
LernstileLernstile bezeichnen die verbreitete Annahme, Menschen lernten besser, wenn Stoff im bevorzugten Sinneskanal (etwa visuell oder auditiv) präsentiert wird. Diese Meshing-Hypothese ist wissenschaftlich nicht belegt.
Loci-MethodeDie Loci-Methode (Gedächtnispalast) ist eine Merktechnik, bei der man Informationen mit festen Orten entlang eines vertrauten Weges verknüpft und sie beim gedanklichen Abschreiten wieder abruft.
M
Metakognition ist das Wissen über die eigenen Denk- und Lernprozesse und die Fähigkeit, sie zu planen, zu überwachen und zu bewerten. Der Begriff geht auf den Psychologen John Flavell (1979) zurück.
MicrolearningMicrolearning ist ein didaktischer Ansatz, der Lerninhalte in kleinen, fokussierten Einheiten von meist wenigen Minuten vermittelt. Studien deuten auf bessere Behaltensleistung und geringere kognitive Belastung hin – eine einheitliche Definition fehlt jedoch.
MnemotechnikEine Mnemotechnik (Eselsbrücke) ist ein Merkhilfe-Verfahren, das schwer merkbare Informationen mit leicht abrufbaren Bildern, Reimen oder Mustern verknüpft, um das Behalten und Erinnern zu erleichtern.
P
Die Pomodoro-Technik ist eine Zeitmanagement-Methode: Man arbeitet in fokussierten Intervallen von meist 25 Minuten (einem „Pomodoro"), gefolgt von kurzen Pausen. Entwickelt wurde sie Ende der 1980er-Jahre von Francesco Cirillo.
ProkrastinationProkrastination ist das freiwillige Aufschieben einer beabsichtigten Handlung, obwohl man mit Nachteilen rechnet. Sie gilt als klassisches Versagen der Selbststeuerung und betrifft besonders häufig das Lernen.
PromptEin Prompt ist die Eingabe – meist ein Text –, mit der eine generative KI wie ein Sprachmodell angewiesen wird, eine Aufgabe auszuführen. Er reicht von einer kurzen Frage bis zu einer detaillierten Anweisung mit Kontext und Beispielen.
PrüfungsangstPrüfungsangst ist eine situationsspezifische Angst vor Bewertungssituationen wie Klausuren oder Tests. Sie hat eine kognitive Seite (Sorgen, Grübeln) und eine körperliche Seite (Anspannung), die die Leistung beeinträchtigen können.
PrüfungsprotokollEin Prüfungsprotokoll ist ein von Prüflingen im Nachhinein aus dem Gedächtnis rekonstruierter Bericht darüber, welche Fragen und Themen in einer mündlichen Prüfung tatsächlich gestellt wurden. Fachschaften, Prüfungsämter oder studentische Vereine sammeln solche Protokolle über Jahre und geben sie an künftige Kandidatinnen und Kandidaten weiter, damit diese sich gezielt auf die Schwerpunkte ihres jeweiligen Prüfers vorbereiten können.
PrüfungssimulationEine Prüfungssimulation ist die möglichst realitätsgetreue Nachstellung einer Prüfung – mit einer Person oder einem System in der Prüferrolle, realistischem Zeitdruck, echten Rückfragen und Feedback im Anschluss. Anders als eine Probeklausur, ein Rollenspiel oder das Durchgehen von Altfragen trainiert sie zusätzlich die Prüfungssituation selbst, nicht nur den reinen Wissensabruf.
S
Spaced Repetition (verteiltes Wiederholen) ist eine Lernmethode, bei der Stoff in wachsenden zeitlichen Abständen wiederholt wird – idealerweise kurz bevor er vergessen wird. So bleibt Wissen mit weniger Aufwand länger abrufbar.
Spacing-EffektDer Spacing-Effekt beschreibt den Befund, dass über die Zeit verteiltes Lernen zu besserem Langzeitbehalten führt als dieselbe Lernmenge am Stück (massiertes Lernen). Er zählt zu den robustesten Ergebnissen der Gedächtnisforschung.
T
Der Testing-Effekt (auch Abruf- oder Prüfungseffekt) beschreibt den Befund, dass das Abrufen von Wissen in einem Test das langfristige Behalten stärker festigt als erneutes Lesen desselben Stoffs. Prüfen ist also nicht nur Messen, sondern Lernen.
Text-to-SpeechText-to-Speech (TTS, Sprachsynthese) bezeichnet Software, die geschriebenen Text automatisch in gesprochene Sprache umwandelt. Moderne neuronale Systeme erzeugen dabei Stimmen, die von menschlichen Aufnahmen kaum zu unterscheiden sind.